Die Schlangengrube und das Pendel

© UCM.ONE

„Grusel made in Bavaria“ mit Karin Dor, Lex Barker und Christopher Lee. Jetzt in aufwändig restaurierten Mediabook-Editionen.

In den sechziger Jahren prägen zwei langlebige Kinoreihen den Constantin Filmverleih: Die erfolgreichen Edgar-Wallace-Verfilmungen sowie die Winnetou-Filme nach Karl May. Beide Reihen angeschoben hatte der Regisseur Harald Reinl. 1967 beginnt sich bei den Wallace-Krimis eine Routine breit zu machen und der letzte Winnetou-Großfilm überzeugte an der Kinokasse nicht mehr wie in früheren Jahren. Constantin Film begibt sich mit Reinl erneut auf die Suche nach neuen Ideen. Ins Auge stechen dabei die bereits seit Jahren erfolgreichen Gothic-Horrorfilme aus den USA und England.

So entsteht Die Schlangengrube und das Pendel. Aus heutiger Sicht ein absolutes Unikat: Der Versuch, den brach liegenden deutschen Horrorfilm auferstehen zu lassen, führte zu einer Mixtur aus Vampirfilm, Wallace-Schauer und Winnetou-Romantik. Mit Lex Barker und Karin Dor setzte man auf bewährte Stars der eigenen Erfolgsreihen. Ihnen stellte man mit Christopher Lee einen erfahrenen internationalen Gruselfilm-Spezialisten gegenüber.

Am Puls der Zeit war man mit der im 19. Jahrhundert erzählten Geschichte um den untoten Graf Regula allerdings nicht mehr, kurz bevor der in der Gegenwart spielende Thriller zur großen Mode wurde. Die angepeilte FSK-Freigabe ab 12 Jahren verdonnerte Reinl und seinen Stammkameramann Kalinke zudem zur Biederkeit. Die Schlangengrube und das Pendel ist ein gescheiterter Film. Aber einer, der so unterhaltsam scheitert, dass man ihm gerne dabei zusieht und zuhört.

Das Zuhören wird einem auch durch den Originalsoundtrack von Peter Thomas interessant gemacht. Seine Schlangengruben-Suite geht in Mark und Bein, aber auch genrebedingt fast unverschämt gut gelaunte Jingles fließen in die Gesamtkomposition.

Die visuell eindrucksvollsten Momente erlebt man während einer nächtlichen Kutschfahrt, wenn Reinls Stammkameramann Ernst W. Kalinke surreale Bilder von vernebelten Baumkronen einfängt, aus denen scheinbar Körperteile sprießen. Auch das künstlerische Szenenbild von Gabriel Pellon in den Bavaria-Studios in München-Geiselgasteig ist prächtig und einzigartig. Gedreht wurde außerdem im mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber und im Teutoburger Wald an den Exersteinen.

„Die Schlangengrube und das Pendel“ auf DVD & Blu-ray

Im Herbst 2020 hat der Film in einer von moviemax neu abgetasteten und restaurierten Version als limitierte Deluxe-Sammleredition auf dem UCM.ONE-Label M-Square Classics seine HD-Weltpremiere gefeiert. Das aufwendig gestaltete Mediabook enthält neben dem Film auf Blu-ray und DVD exklusives Bonusmaterial bestehend aus einem 32-seitigen Booklet, einem Audiokommentar und einer Slideshow zur Restaurierung des Films. Die auf 1.200 Stück begrenzte Sammleredition enthält neben dem Inhalt des Mediabooks auch den erstmalig veröffentlichten Original Soundtrack auf CD, der vom kürzlich verstorbenen Komponisten Peter Thomas (u.a. RaumpatrouiIlle Orion, Edgar Wallace) produziert wurde. (Nachtrag: Die Deluxe-Sammleredition ist mittlerweile ausverkauft. Zur enthaltenen Blu-ray hat eine Austauschaktion stattgefunden, da es bei der Herstellung zu einem Fehler gekommen ist. Mittlerweile ist der Film auch als 2-Disc-Mediabook-Edition erhältlich, sowie als Single-Blu-ray und -DVD. Hier ist kein Austausch notwendig.)

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