Icons Are Forever

Sean Connery ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Die Rolle des James Bonds machte ihn weltberühmt und im besten Sinne unzufrieden. Ein Nachruf.

Bild: Rob Mieremet, Sean Connery as James Bond (1971), CC BY-SA 3.0 NL

Wer wissen möchte, wie verschmolzen die Figur James Bond mit ihrem stilprägenden Darsteller Sean Connery nach den ersten fünf Filmen war, sollte mal dessen Nachfolger George Lazenby zum Casting von Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) befragen. Der zweite 007 erzählt heute gerne die Geschichte, wie er, um den Produzenten zu gefallen, zu Connerys Schneider ging, um einen gleichen Anzug zu bekommen. Und seinen Friseur ausfindig machte, um den gleichen Haarschnitt zu verlangen.

Die Leinwände weltweit waren zu diesem Zeitpunkt längst überschwemmt von einer Agentenfilmwelle. Filme meist europäischer Herkunft, die sich irgendwo auf einer Skala zwischen peinlich gescheitert und kreativ charmant verorten lassen. Ihnen allen ist gemein, dass sie mit viel weniger Budget versuchten, dem James Bond der Marke Connery nachzueifern.

Die Bond-Produzenten waren von Sean Connery auf der Suche nach einem Hauptdarsteller für James Bond jagt Dr. No (1962) sofort begeistert. Wohlaber als ungeschliffenen Diamanten im Vergleich zu dem galanten Charakter, den Ian Fleming in seinen Büchern beschrieben hatte. Den Feinschliff besorgte Regisseur Terence Young.

Terence bestand darauf, dass Sean sogar in seinem Maßanzug schlief, einschließlich Hemdkragen und Krawatte, damit er sie mit jener Leichtigkeit und Lässigkeit trug, die jeder mit Bond in Verbindung brachte.

Bob Simmons in Das James Bond Archiv, herausgegeben von Paul Duncan

Der 1930 in Edinburgh geborene Schotte wurde allerdings dem Bond-Image überdrüssig. Seit seinem vierundzwanzigsten Lebensjahr spielte Connery im Film, in Theater und Fernsehen. Es wäre ein leichtes gewesen, sich Mitte der sechziger Jahre auf dem Gipfel des Erfolges in der Rolle des Playboys zu gefallen, aber auf die einseitige Rolle des Abenteuerhelden wollte sich Connery nicht festschreiben lassen.

Zweimal ließ er sich nach Man lebt nur zweimal (1967) zu einer Rückkehr überreden: Im Rahmen von Diamantenfieber (1971) machte er keinen Hehl daraus, das Angebot wegen eines lukrativen Deals mit United Artists angenommen zu haben. Die Gage spendete Connery.

Wichtig war auch der Vertrag über zwei Filme mit United Artists, demnach sie und ich Partner sind und ich als Produzent, Regisseur oder Schauspieler beteiligt bin.

Sean Connery im BBC-Interview, 1971

In der Folge produzierte Connery den Sidney-Lumet-Film Sein Leben in seiner Gewalt (1971) mit, in dem er auch die Hauptrolle spielte. In insgesamt fünf Filmen von Lumet war Connery zu sehen, darunter Ein Haufen toller Hunde (1965) und Mord im Orient-Express (1974). Zehn Jahre zuvor besetzte ihn Altmeister Hitchock in Marnie (1964). 1977 sieht man ihn in Die Brücke von Arnheim. Während dieser Ära gelangen allerdings, außerhalb von Ensemblefilmen, keine Hits.

Ein zweites, spätes Bond-Comeback folgte mit Sag niemals nie (1983), dem mit der Originalreihe konkurrierenden Film, den Producer Kevin McClory durch juristisch erstrittene Teilrechte lancieren konnte. Connery erhielt Rekordgage und umfangreiche Mitspracherechte. Es wurde einer der erfolgreichsten Filme des Jahres. Gelang ein geschäftlicher Erfolg nur als 007?

Bild: Hollywood Pictures

Die Kassenerfolge außerhalb des MI6-Dienstes sollten sich ab Mitte der achtziger Jahre einstellen: Für The Untouchables – Die Unbestechlichen (1987) gab es dann sogar den Oscar als bester Nebendarsteller. Nachfolgend konnte sich Connery in einer ganz neuen Generation von Filmen behaupten. Um nur drei zu nennen: Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (1989), The Rock – Fels der Entscheidung (1996) und zuletzt Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen (2003).

Sean Connery wird 007 bleiben. Icons are Forever. Aber welchen Nachruf er sich auch immer gewünscht hätte, sicherlich keinen der mit Bond endet. Das hat er zu verhindern gewusst. Mit weiteren Filmen, die zu Klassikern wurden und somit noch viele Filmliebhaber begeistern werden. Danke, Sean!

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