Champagner Mörder (1967)

Frankreich 1967 • Regie: Claude Chabrol • Drehbuch: Claude Brule, Derek Prouse, William Benjamin, Paul Gegauff • Kamera: Jean Rabier • Schnitt: Jacques Gaillard • Musik: Pierre Jansen • Produktion: Raymond Eger (Universal Productions France)

Besetzung

  • Anthony Perkins als Christopher Belling
  • Maurice Ronet als Paul Wagner
  • Yvonne Furneaux als Christine Belling
  • Suzanne Lloyd als Evelyn
  • Stéphane Audran als Jacqueline Lydia
  • Henry Jones als Mr. Clarke
  • Catherine Sola als Denise
  • George Skaff als Mr. Pfeiffer
  • Christa Lang als Paula
  • Marie-Ange Aniès als Michele

Inhaltsangabe

Der Playboy Paul Wagner, Spross einer Champagner-Dynastie, kann sich ein luxuriöses Leben leisten. Seine Cousine Christine ist bemüht, seine Firmenanteile zu übernehmen als Paul unter Mordverdacht gerät. Er scheint mit einer Serie von Frauenmorden in Verbindung zu stehen. Paul leidet unter Gedächtnisverlust und beginnt schließlich, sich selbst in Frage zu stellen…

Kritik zu „Champagner Mörder“

Es muss an Claude Chabrols gutem Ruf liegen, dass ein Film wie Champagner-Mörder durchaus überzeugte Kritiker hinterlässt. Die Cinema-Redaktion will „hohe Filmkunst mit Knalleffekt“ gesehen haben. Die ARD pries den Film – immerhin mit dem verständlichen Anliegen die Ausstrahlung schmackhaft zu machen – als „wunderbar bösen Psycho-Thriller“ an. Ganz schön schmeichelhaft.

Was der Film zu bieten hat, sind schöne Bilder: Wunderbare Kameraarbeit, prachtvoll gestaltete Dekors, aufwändige Außenaufnahmen in Reims, Paris und Hamburg – und das in einer international angelegten, von Universal finanzierten Produktion, die übrigens in gleich zwei Originalfassungen gedreht wurde: Französisch und Englisch. Für die deutsche Auswertung bediente man sich der etwas kürzeren, englischen Variante. Chabrol hat seinen Spaß am Milieu der Champagner-Dynastie rund um Christine (Yvonne Furneaux), ihrem Ehepartner Christopher (Anthony Perkins), der ehemaliger Callboy ist und ihrem Cousin Paul (Maurice Ronet), der sich als Playboy gefällt. Als amerikanische Investoren Kaufinteresse anmelden, kommt es zu Streitigkeiten.

Was bei der Inhaltsangabe als vermeintlich anstoßgebender Plot Point erscheint, passiert tatsächlich erst nach einer quälend langen Stunde und zwei Dritteln des Films – obwohl ein erster Mord sogar schon als Pre-Titelsequenz serviert wird: Während Paul wiederholt Blackouts zu beklagen hat, nimmt eine Serie von Frauenmorden ihren Lauf. So gerät er nicht nur in Verdacht, sondern beginnt auch selbst an seiner Unschuld zu zweifeln.

Einige Szenen mit Ronet geraten unpassend skurril, Perkins bleibt weitgehend einfältig, Yvonne Furneaux als seine durchtriebene Gattin gefällt noch am besten. Wen man als Drahtzieher aus dem Hut zaubern wird, ahnt der krimierprobte Zuschauer bei der überschaubaren Anzahl an Figuren früh. Das auch das Motiv unglaubwürdig und sich offenbarende Tathergänge unlogisch geraten sind, wiegt deshalb umso schwerer. Die letzte Szene des Films, bei welcher der Betrachter plötzlich über der Kulisse schwebt, dürfte anno 1967 eine technische Raffinesse gewesen sein, lässt den Zuschauer inhaltlich aber unbefriedigt zurück.

Fazit: Ingesamt ergibt sich das Bild eines fehlkonstruierten Versuchs, einen großen Thriller in Hitchcock-Manier zu drehen: Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet! (2/5)

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