Amazon kauft MGM: Die Folgen für James Bond und andere Kult-Franchises

Seit Wochen kündigte sich das Geschäft an, jetzt steht es fest: Amazon übernimmt für 8,45 Milliarden US-Dollar das legendäre Filmstudio MGM mit seiner gesamten Filmbibliothek.

Mit dem Verkauf des Studios gehen auch die Rechte an der weltberühmten Marke MGM an Amazon. Den Löwen Leo, der einem stets vor dem Film entgegenbrüllt, kennt jeder Cineast. Zum Portfolio von MGM gehören zudem einige Tochtergesellschaften wie United Artists oder Orion Pictures. Zum Filmarchiv gehören damit über 4.000 Filmklassiker, darunter die James-Bond-Filme, die Rocky-Saga, die Rosarote-Panther-Komödien, verschiedene Robocop-Teile und zahlreiche Meisterwerke wie „Das Schweigen der Lämmer“, „Die glorreichen Sieben“ oder „Die zwölf Geschworenen“, um nur einige Titel zu nennen. Hinzu kommen Rechte an aktuellen TV- und Filmproduktionen (wie etwa dem lange erwarteten, neuen James-Bond-Abenteuer „Keine Zeit zu sterben“).

Die wichtigsten Fragen rund um die gigantische Übernahme:

Was passiert mit dem traditionsreichen Filmstudio?

Amazon betont in seiner Bekanntgabe, dass das traditionsreiche Studio fortgeführt werden soll. MGM soll weiterhin große Geschichten kreiren. „Ich bin sehr stolz darauf, dass der MGM-Löwe, der seit langem an das goldene Zeitalter Hollywoods erinnert, seine Geschichte fortsetzen wird“, sagt Kevin Ulrich, der Vorstandsvorsitzende von MGM. Der Zusammenschluss mit Amazon soll das Filmerbe bewahren und dem Studio die Möglichkeit geben, im Sinne der Gründer weiterhin große Geschichten zu kreieren.

Welche Strategie verfolgt Amazon mit dem MGM-Kauf?

Amazon konkurriert mit seinem „Amazon Prime Video“-Angebot mit Netflix und Disney+ im stark umkämpften Videostreaming-Markt. Disney hat bereits 20th Century Fox übernommen und bindet deren Titel zunehmend an den eigenen Streaming-Dienst. Amazon hatte mit seiner Plattform Anfangs vor allem auf Kollaboration gesetzt. Nund sind die prominentesten Filmtitel aber zunehmend exklusiv bei einem der Streaming-Anbieter zu finden. Amazon stand also unter Druck, hochwertige und prestigeträchtige Inhalte exklusiv anzubieten, um dem Wettbewerb standzuhalten.

Wird es James-Bond-Filme und andere MGM-Filmklassiker jetzt nur noch bei Amazon zu sehen geben?

Mittelfristig ist damit zu rechnen, dass die Vertriebsrechte an den MGM-Filmen (inkl. United Artists, Orion Pictures, Big Fish, Evolution, etc.) exklusiv für die eigenen Plattform genutzt werden. Allerdings dürfte es aktuell noch bestehende Lizenzverträge geben, die zunächst auslaufen müssen. Eine Beobachtung hatte man allerdings schon bei Disney+ gemacht: Produktionen aus dem „Star Wars“ und „Marvel“ Universum, die im Besitz von Disney sind, wurden nach und nach von anderen Streaming-Plattformen abgezogen. Inwieweit im physischen Heimkino-Markt weiterhin Lizenzen selbst verwertet oder abgegeben werden, bleibt abzuwarten.

Wird der neueste James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ jetzt noch im Kino zu sehen sein?

Der Kinostart ist für den Herbst angekündigt. Daran wird scheinbar nicht gerüttelt, solange der Termin nicht erneut wegen der Corona-Pandemie in Frage gestellt wird. Die Bond-Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson haben ihn nach Bekanntgabe des Amazon-Deals nochmals bestätigt.

Amazon hat übrigens bereits Eigenproduktionen zunächst auf die große Leinwand gebracht. Man denkt also nicht nur an hauseigene Vertriebswege. Realistisch ist durchaus, dass Amazon die „Home Entertainment“-Premiere frühzeitiger als bisher üblich über die Bühne gehen lässt – und wohlmöglich auch exklusiv auf der eigenen Plattform.

Was bedeutet der Kauf der Rechte für zukünftige Bond-Filme?

Das Amazon demnächst Bond-Filme alleine für die Streaming-Plattform produziert, erscheint unwahrscheinlich. Zumal die Filme bisher im Kino ja stets für riesigen Umsatz sorgen, den Amazon auch trotz des Streaming-Angebotes kaum ignorieren wird.

Zudem: Amazon kann mit dem Bond-Franchise und den Rechten an der Figur von Ian Fleming nicht machen, was es will. Die Bond-Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson halten mit ihrer Firma Eon Productions 50% der Rechte und haben auch das letzte Wort, wenn es um künftige Neuentwicklungen geht. Amazon hat nur beim Vertrieb nun weitgehend freie Hand.

Kommen jetzt 007-Spin-Off-Serien?

Gegenüber „Variety“ haben die Produzenten verlauten lassen, dass sie Bond weiterhin gut im Kino aufgehoben sehen. Disney+ hat allerdings für das „Star Wars“- und „Marvel“-Universum rasch eigene, originäre Spin-Off-Serien präsentiert. Bekommen also demnächst 007-Sekretärin „Moneypenny“, CIA-Kumpel „Felix Leitner“ oder die Superkriminellen-Vereinigung „S.P.E.C.T.R.E.“ eine eigene Amazon-Serie? Das könnte davon abhängen, wie gut die Partnerschaft zwischen den Produzenten und den neuen MGM-Eigentümern wird. Eon ging bisher sehr behutsam mit dem Franchise um.

Mike Hopkins, Senior-Vizepräsident von Prime Video und Amazon Studios ließ sich zum MGM-Deal wie folgt zitieren: „Der wahre finanzielle Wert hinter diesem Deal ist der Schatz an geistigem Eigentum in dem umfassenden Katalog, den wir gemeinsam mit dem talentierten Team von MGM neu definieren und entwickeln möchten. Es ist sehr aufregend und bietet so viele Möglichkeiten für qualitativ hochwertiges Geschichtenerzählen.“ Das klingt jedenfalls nach baldigen Neuauflagen verschiedenster Klassiker.