Originaltitel: The Man from Hong Kong, 直搗黃龍
Alternativtitel: The Devil Flies (USA)

Australien / Hongkong 1975 • Regie: Brian Trenchard-Smith • Drehbuch: Brian Trenchard-Smith • Kamera: Russell Boyd • Schnitt: Ron Williams, Peter Cheung • Musik: Noel Quinlan • Produktion: Raymond Chow (Golden Harvest), John Fraser (The Movie Company)
Besetzung
- Jimmy Wang Yu als Inspector Fang Sing Leng
- George Lazenby als Jack Wilton
- Hugh Keays-Byrne als Sergeant Morrie Grosse
- Roger Ward als Bob Taylor
- Rosalind Speirs als Caroline Thorne
- Rebecca Gilling als Angelica Pearson
Handlung
Der wenig zimperliche Hongkonger Inspektor Fang Sing Leng reist nach Sydney, um den Drogenkurier Win Chan zu überführen. Dabei trifft er auf einflussreiche Gegner und eine Reihe brutaler Auseinandersetzungen, aber auch für eine romantische Liaison geht mit dem Einsatz einher. Alle Fäden laufen bei dem skrupellosen Rauschgiftbaron Jack Wilton zusammen.
Besprechung
Bevor Brian Trenchard-Smith 1975 mit DER MANN VON HONGKONG seinen ersten Kinofilm inszenierte, hatte er sich durch zwei TV-Dokumentationen über Martial Arts mit der boomenden Kung-Fu-Filmindustrie beschäftigt. Dabei knüpfte er Kontakt zum legendären Produzenten Raymond Chow, dem Gründer von Golden Harvest, der schließlich auch dieses Projekt anschob. Ergänzt wurde die Finanzierung durch australische Mittel. Das Ergebnis ist eine entsprechend internationale, interessante Co-Produktion.
Ursprünglich war der Film als Starvehikel für Bruce Lee geplant. Doch nach dessen plötzlichem Tod im Jahr 1973 musste umdisponiert werden. Der bereits in Asien etablierte Jimmy Wang Yu übernahm schließlich die Hauptrolle des Inspektors Fang Sing Leng. In westlichen Märkten wurde Wang, wie einige seiner Kollegen in ähnlichen Filmen, als Nachfolger Bruce Lees vermarktet. So titulierte das deutsche Filmplakat ihn als „Thronfolger Bruce Lees“. George Lazenby, der nach seinem einzigen Auftritt als James Bond beruflich gestrauchelt war und sich in Hongkong eigentlich für eine Zusammenarbeit mit Lee ins Gespräch gebracht hatte, ist hier nicht als Held, sondern als schurkischer Gegenspieler zu sehen. Seine fernöstliche Zusammenarbeit mit Golden Harvest umfasst zwei weitere Produktionen, wobei er hier die Gelegenheit bekam, auch in seinem Heimatland zu drehen.
An Action mangelt es dem Film keineswegs: Schon die Eröffnung auf am Ayers Rock wird mit Agentenfilmreferenzen und einem Martial-Arts-Duell eingeläutet, gefolgt von einer aufwändig inszenierten Autoverfolgung samt Hubschraubereinsatz. Später im Film gibt es unter anderem Hängegleiter-Szenen über Hongkong und Sydney, unterlegt mit einem schmissigen Mid-Siebziger-Soundtrack. Die Handlung selbst bleibt absolut formelhaft: Der harte Ermittler aus Hongkong (Wang in Dirty-Harry-Manier) verfolgt seine Spur bis nach Sydney, um dort den Drogenbaron Wilton (gespielt von einem schnurrbärtigen George Lazenby) zur Strecke zu bringen.
Obwohl DER MANN VON HONGKONG ein paar parodistische Züge hat, nimmt Lazenby nicht etwa seine Bond-Rolle auf’s Korn, sondern er gibt den Oberschurken. Seine Screentime ist begrenzt, aber markant – inklusive Kampfeinlagen und einer Feuerszene, bei der er sich trotz Schutzmaßnahmen Verbrennungen zuzog. Die Action ist darüber hinaus durchgehend präsent, die Ausstattung für die damalige Zeit beachtlich. Dennoch bleibt vieles im Film austauschbar, der Cast ist in seiner gesamten Breite nur durchschnittlich. Die Präsenz eines Bruce Lee hätte der Produktion ohne jeden Zweifel gut getan.
In seinen Hauptmärkten war der Film wohl ein Erfolg, auch wenn Altersfreigaben die Vermarktung einschränkten. Auch in Deutschland lief der Film seinerzeit noch mit einer FSK18-Freigabe an. Heute ist DER MANN VON HONGKONG als ein Kernstück der australischen „Ozploitation”-Welle bei Kennern beliebt.
Fazit: Einmaliger Genremix mit temporeicher Action und kultigem Lazenby-Wiedersehen. Inhaltlich dennoch nicht ganz auf Augenhöhe mit den Blockbustern des Martial-Arts-Kinos (Wertung: 3,5/5).
UHD und Blu‑ray‑Disc von Camera Obscura basieren auf einem restaurierten 4K‑Master und bieten umfangreiches Bonusmaterial, das u. a. Audiokommentare von Regisseur Brian Trenchard‑Smith, Interviews und Behind‑the‑Scenes umfasst. Kann uneingeschränkt empfohlen werden!
